Das neue Buch: Persönlichkeiten statt Tyrannen

Michael Winterhoff

Ab 15. März wird Persönlichkeiten statt Tyrannen ausgeliefert, das mit Spannung erwartete dritte Buch von Michael Winterhoff ― dieses Mal gemeinsam verfasst mit Koautorin Isabel Thielen. Thema: Wie wirken sich die von Winterhoff analysierten psychischen Reifedefizite Heranwachsender in Ausbildung und Beruf aus?

Psychische Reifedefizite sind flächendeckend zum Problem geworden. Bis zu 50% aller Schulanfänger entsprechen nicht mehr den Anforderungen für Schulreife. Etwa 30% der Grundschüler werden als verhaltensauffällig beschrieben. Die Folgen reichen von ständig sinkenden Bildungsniveaus über dauernde Arbeits- und Ausbildungsunfähigkeit bis zu Gewaltexzessen. »Alle herkömmlichen Erklärungsversuche greifen zu kurz. Denn nicht vornehmlich Kinder aus prekären Verhältnissen, sondern in der Mehrzahl der Nachwuchs der sicher geglaubten Mittelschicht hat und verursacht immer mehr Probleme«, berichtet Winterhoff aus seiner täglichen Praxis. Bestätigt sieht sich Winterhoff auch durch den »Berufsbildungsbericht 2010« der Bundesregierung ― erschreckende 47,3% aller Schulabgänger werden hier als »nicht ausbildungsreif« beschrieben.

Wachsende Nachwuchssorgen in Unternehmen

Winterhoff und Thielen arbeiten anhand vieler Fallbeispiele heraus: Wo Kindergarten und Schule kurzfristig noch mit gesenkten Anforderungen und angehobenen Notenspiegeln vom wahren Ausmaß des Problems ablenken können, treten Defizite im Beruf unvermindert zu Tage. »Es ist entscheidend, Eltern, Erzieher, Lehrer und Ausbilder mit dem Thema 'psychische Reifedefizite' vertraut zu machen«, beschreibt Isabel Thielen ihre Erfahrungen als Personalerin und Management-Coach. Winterhoff ergänzt: »Unser Buch hilft, psychische Unreife als solche zu erkennen. Das ist wichtig, denn Schuldzuweisungen oder Sanktionen sind hier untauglich, weil Betroffene weder Einsichtsfähigkeit noch Unrechtsbewusstsein entwickeln können.«

Psychische Unreife ist behandlungswürdig und eindeutig erfolgreich therapierbar. Aber die Nachreifungsprozesse müssen fester Bestandteil auch schulischer Konzepte werden, parallel muss an den Ursachen gearbeitet werden. Winterhoff ist überzeugt: »Eine ganze Reihe Besorgnis erregender Fehlentwicklungen junger Menschen könnte relativ bald deutlich entschärft werden oder gar der Vergangenheit angehören, wenn wir schnell handeln!«